30. März 2012 - Nachtrag

Gerade hat man mich wieder in mein Zimmer gebracht. Heute haben die nicht viele Tests gemacht. Blutabnahme, dann musste ich Gewichte stemmen, dann wieder Blutabnahme. Testen die mein Leistungsvermögen? Aber was hat es mit der Blutabnahme auf sich? Außerdem frag ich mich, ob die mit den anderen die selben Test durchführen. Leider konnte ich noch mit keinem der anderen Gefangenen sprechen. Die halten uns strikt getrennt. Zum Glück hab ich mein Tagebuch, das ich mittlerweile inkl. Stift sorgfältig in der Matratze des Bettes verstecke. Ich befürchte die nehmen es mir weg, wenn sie das mitbekommen.
Als ich vorher abgeholt wurde, wurde ich jäh in meinen Ausführungen unterbrochen. Zum Glück hab ich es noch rechtzeitig geschafft das Buch unter die Matratze zu schieben. Der Stift ist mir in der Schnelligkeit hinuntergefallen und unter's Bett gerollt. Sie scheinen aber nichts gemerkt zu haben. Aber zurück zu meiner Wanderung. Mir war klar, dass es ein weiter Weg sein würde, den ich zurücklegen musste, aber beim Gedanken an meine Familie kein Problem. Doch das wirklich Schockierende für mich: eigentlich sollte man ja meinen es hätte in dieser technologischen Welt in der wir Leben irgendeinen Weg geben müssen, jemanden zu erreichen oder zumindest an Informationen zu gelangen. Alles Fehlanzeige. Die komplette Kommunikation scheint zusammengebrochen. Kein Fernsehen, kein Radio, kein Telefon nicht einmal das blöde Handy hat funktioniert. War zwar sau teuer, aber wenn man es braucht - nichts. Nach 3 Tagen war der Akku leer und ich hab's weggeworfen. Unnötiger Ballast. Wozu ein Handy mitschleppen, das eh nicht funktioniert. Und ohne Strom Aufladen? Ich war mit den Nerven ziemlich am Ende und fasst schon am Durchderehen, ehe ich dieses Tagebuch samt Stift gefunden habe. Das Schreiben hat mir neue Kraft und neuen Mut gegeben. Und ich hab mich an die Worte meines ehemaligen Tennislehrer erinnert, der immer gesagt hat "aufgegeben wird maximal ein Brief". Ich versuche diese Worte zu beherzigen und hoffe immer noch darauf meine Familie wiederzusehen. Ich muss irgendeinen Weg hier heraus finden, oder zumindest versuchen an mehr Informationen zu kommen, um mir Klarheit über die jetzige Situation zu verschaffen. Denn diese Ungewissheit darüber was hier vorgeht und was mich erwartet, macht mich ganz schön fertig.
Gott sei Dank haben sie mich nicht gefesselt, sodass ich immer noch schreiben kann. Wenn die Uhr an der Wand stimmt, dann müsste es bald Zeit sein für den abendlichen Kontrollgang der Wachen. Für mich ist es also höchste Zeit das Tagebuch wieder zu verstecken. Und ich hoffe, dass sie es nie finden.

1 Kommentar:

Fassbinder hat gesagt…

Ich finde es toll, wie du die Vorgeschichte weitergeführt hast. So ähnlich hab ich es mir auch schon überlegt.
lg

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